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Jedermann

Autor:
Felix Mitterer

Auffhrungstermine:
12. + 13 + 18.06.2004
Joachim-Neander-Haus, Erkrath
25.06.2005
Kirchengemeinde Overath

Weitere Infos zum Projekt:

Dieses Stck aus den 90er Jahren stammt aus der Feder des sterreichischen Schriftstellers Felix Mitterer. Darin begegnet uns ein reicher Grossindustrieller an den der Tod herantritt. Zu einer unfreiwilligen Einkehr gezwungen, besinnt sich dieser Thomas Jedermann auf die vier letzten Dinge. In der Tradition von mittelalterlichen Mysterienspielen beginnt von hchster Stelle aus ein Kampf um die Seele desjenigen Menschen, der stellvertretend fr alle anderen steht. Im Prolog erscheint Gott selbst und errtert seinem Sohn Jesus und dem Publikum die Umstnde des Gerichtsverfahrens in dem ber Verbrechen und Strafe, Schuld und Shne der Menschen verhandelt werden soll. Als Zeuge der Anklage wird der Teufel berufen und zum Gerichtsdiener wird schlielich der Tod ernannt. Die Zuschauer verfolgen den letzten Tag und die letzte Nacht im Leben des Jedermann und finden sich wieder im Herzen der Schaltzentrale eines internationalen Konzerns: Dem Bro des Herrn Generaldirektor. Es ist Thomas Jedermanns Geburtstag, aber anstatt ihn zu feiern und seinen immensen Reichtum zu geniessen stellt sich der Workoholik der schwersten Krise der Unternehmensgeschichte, oder schlichtweg dem Alltag an der Spitze. Und da oben geht es frostig zu. Neben dem Arbeitskampf mit der eigenen Belegeschaft ficht ihn sein Versagen als Familienmann an und die Abkehr von alten sogenannten Freunden. Noch einmal begegnen ihm alte Feinde, berrundete Rivalen und ehemalige Gefolgsleute, all diejenigen, die aus Jedermann gemacht haben was er ist, aber auch von ihm beherrscht, vernachlssigt, geliebt, gehasst, erpresst worden sind. Am Umgang mit den Mitmenschen wird der Charakter gemessen.

Der Teufel spielt dabei immer wieder die Rolle desjenigen, der die Ethik so verbiegt, dass sie dem Erfolge nicht im Wege steht. Troubleshooter auf Neudeutsch. Warnzeichen und Scheidewege passiert der Machtmensch und wird sich seines Endes gegen Ende bewusst. Reue und Gewissen werden zu letzten Strohalmen an denen sich Jedermann festzuhalten versucht, aber knnen die Stiele verwelkter Pflanzen ihn vor dem Absturz bewahren? Die Schilderung des Ausgangs berlassen wir an dieser Stelle den Darstellern. Stcke mit dieser Thematik haben im christlichen Abendland eine lange Tradition. Die Amtskirche des Mittelalters stand solchen Erbauungsschwnken und Fastnachtsspektakeln gleichgltig bis ablehnend gegenber. Der einfache Dorfpfarrer jedoch rumte nicht selten das Pfarrhaus um dem fahrenden Volke Obdach zu gewhren, denn die Bauern und Handwerker des platten Landes schtzten es sehr neben der lateinischen Liturgie, die sie nur selten verstanden, ein anschauliches Beispiel christlicher Ethik vorgespielt zu bekommen. Nicht zuletzt, weil diese Art von Stcken nicht ohne Humor, schlpfriger Witze und voll von einer Menge von dem war, was wir heute Action nennen wrden. Ein frommer Schauer gehrte jedoch auch zum inszenierten Durcheinander auf den Planken, dann nmlich wenn die Figuren von Engeln, Teufeln und hheren Wesen erschienen. In der oralen Kultur des Mittelalters prgten die Stereotypen Darstellungen von Fastnachtsschauspielern die Vorstellung ganzer Generationen von Gott. Bis zur Erfindung des Buchdrucks sind kaum schriftliche Beispiele solcher Stcke erhalten, die Schauspieler improvisierten den Text einfach, und passten Orte und Namen der Stadt an, die sie gerade aufgenommen hatte. Zu Beginn des 16. Jahrhundert jedoch, und mit dem Aufkommen der Reformation in Europa erlebten die Mysterienspiele eine neue Blte.

Unser Stck Ein Jedermann, geht wohl auf die englische Moralitt, The Somonynge of Everyman (1503) zurck. In der Reformationszeit taucht der Stoff auch auf deutsch auf, z.B. als Spiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus (um 1535). In der Neuzeit wurde die Handlung von Hugo von Hoffmannthal als Jedermann, das Spiel vom Sterben des reichen Mannes (1911) adaptiert. Das Stck luft in dieser Saison in der Wiener Hofburg, zum wiederholten Male, wegen der grossen Nachfrage.

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